Geschichte

Das Klösterle, in dem Nick Hemberger seine Weinstube und Restaurant gleichen Namens betreibt, ist das älteste, weitgehend komplett erhaltene Wohnhaus in Stuttgart.

 

Der Name Klösterle, der sich über all die Jahrhunderte erhalten hat, wurde lange Zeit mit den Beginen in Verbindung gebracht, einer im 12. Jahrhundert in den Niederlanden entstandenen religösen Frauenbewegung, die sich rasch über ganz Mitteleuropa verbreitet hatte. Neuere Forschungen deuten aber eher daraufhin, dass das Gebäude mitsamt der um 1580 entstandenen Klösterle-Scheuer in Verbindung mit den Kloster Bebenhausen stand, das in dieser Zeit Liegenschaften in Cannstatt besaß.

Die verwendeten Bauhölzer des Klösterle sind laut dendrochronologischer Analyse 1463 geschlagen worden und wurden wohl wie damals üblich rasch verbaut.

Das Klösterle einst und heute
Das Klösterle einst und heute

Das Klösterle stand bereits seit den 1930er Jahren mehrfach auf der Abbruchliste, zuletzt Mitte der 1970er Jahre, als die Stadt Stuttgart das wenig ansehnliche, zuletzt noch mit Eternit-Platten verkleidete Gebäude aus Privatbesitz übernahm.

Der Architekt Hermann Kugler erwarb das Haus 1983 und hat es vorbildlich restauriert, wofür ihm ein Jahr später der Peter-Haag-Preis (Denkmalschutzpreis Baden-Württemberg) für beispielhaften Denkmalschutz verliehen wurde. Der Verein „Pro Alt-Cannstatt“ engagierte damals sich mit zahlreichen Spendenaktionen für die Restaurierung.

Die sogenannte "Kapelle" im 2. Stockwerk (nicht öffentlich zugänglich).
Die sogenannte "Kapelle" im 2. Stockwerk (nicht öffentlich zugänglich).

Im Erdgeschoss befindet sich seit 1984 eine rustikal eingerichtete Weinstube mit schweren Holztischen und viel alter Substanz. In den oberen Stockwerken ist bis heute Hermann Kuglers Architekturbüro untergebracht, erreichbar über urtümliche Keilstufentreppen. Im 2. Stockwerk befindet sich eine Renaissance-Stuckdecke mit einem farbig gefassten Wappenstein der damaligen Besitzerfamilie Wacker, datiert 1576. Der Raum ist nur in Absprache mit dem Architekturbüro Kugler zu besichtigen. In der Klösterle-Scheuer daneben befindet sich seit 1988 das Stadtmuseum Bad Cannstatt.


Nick Hemberger eröffnete bereits 1966 mit der Tangente einen Studentenclub in Stuttgart mit Ablegern in Karlsruhe und Bonn. 1976 richtete er das "Parque fermé", das erste dezidiert elsässisch-französische Restaurant in Stuttgart ein. Zwischen 1979 und 2007 betrieb er das Wirtshaus "Zur alten Schmiede" in Bad Cannstatt. Seit 1998 bewirtet er seine Gäste in der Weinstube Klösterle. Viele seiner Stammgäste halten ihm schon seit über fünfzig Jahren die Treue.